Testbericht


Test Hundstage. Die Luft in Stuttgarts Straßen kocht. Grell sticht die Sonne durch die Scheiben der MOTORRAD-Redaktion .

In der dunklen, kühlen Tiefgarage des Verlagshauses wartet als Fluchtfahrzeug die Honda CB-1, der Ausweg aus der heißen Großstadtluft. Auf dem Typenschild des 400er-Vierzylinders steht ganz klein die Hondainterne Typenbezeichnung CB 400 F.

Einen so glühend heißen Sommer gab's schon einmal 1976. Und auch eine Honda CB 400 F gab es damals. Denn ab 1976 wurde in der Bundesrepublik ein 400er Vierzylinder Viertakter dieses Namens verkauft. Ein attraktives Motorrad. Und viele waren traurig, als es wieder vom Markt verschwand.

Ist die CB-1 eine Neuauflage der CB 400 F? Der Vergleich wäre reizvoll. Nur müßte man die „alte" CB 400 F dazu wenigstens einmal gefahren haben. Oder den Kollegen Peter Limmert dazu befragen, sein Test der CB 400 F stand in MOTORRAD 12/1976. Aber der Glückspilz ist im Urlaub. Doch das Heft 12/1976 mit seinem Test liegt im Archiv. Mal sehen was er zur „alten" CB 400 F so schreibt: „ Sie ist die Nachfolgerin der ,Little Four' 350, aber stärker und leiser." Der Motor der CB 400 F, schreibt Peter, entstand damals durch Aufbohren aus dem Triebwerk der CB 350 Four. Das luftgekühlte 405 cm3 Triebwerk war mit 51 Millimetern Bohrung und 50 Millimetern Hub noch beinahe quadratisch, und nur eine obenliegende Nockenwelle betätigte über Kipphebel die zwei Ventile pro Zylinder. Bei einem Verdichtungsverhältnis von 9,4:1 waren 37 PS bei 8500/min das Ergebnis.

Der kleine, wassergekühlte 399-cm3-Motor der CB-1 dagegen ist der Nachfolger einer „Big Four": der CBR 600. Er wurde bereits 1987 für die nur in Japan verkaufte CBR 400 in Bohrung und Hub von 63 x 48 auf 55 x 42 Millimeter reduziert und leistet mit zwei obenliegenden Nockenwellen, die über Schlepphebel vier Ventile je Zylinder steuern, und einer Verdichtung von 11,3:1 gemessene 53 PS bei 11 500/min.

Doch trotz der verschiedenen Konstruktionen und der 16 PS Leistungsunterschied sind die beiden Motoren im Fahrbetrieb offensichtlich ähnlich:

„Natürlich ,lebt' der Motor von hohen Drehzahlen - bei sportlicher Fahrweise zeigt die Nadel des Drehzahlmessers nicht selten 11 000/min an, aber auch beim gemütlichen Dahinbummeln, so zwischen 3000 und 6000/min, hat man durchaus nicht das Gefühl, das Triebwerk laufe unrund." Soweit Peter Limmert. Das könnte er auch 14 Jahre später über die CB-1 geschrieben haben. Es ist allerdings bemerkenswert, daß die CB-1 bei deutlich überlegenen Fahrleistungen im Schnitt etwa zehn Prozent weniger Benzin verbraucht als die CB 400 F. Hier zeigt sich der Fortschritt im Motorenbau. Im Schnitt fließen durch die vier 26-Millimeter-Gleichdruckvergaser der CB-1 auf 100 Kilometer sechs Liter Normalbenzin. Die CB400F dagegen sog noch 6,6 Liter verbleiten Superbenzins durch ihre 22 Millimeter Rundschiebervergaser.




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