Testbericht Seite 4
Vorallem für kleinere Fahrerinnen und Fahrer ist die Sitzposition auf der CB-1 wie geschaffen. Der durch die Formvorgabe des Brückenrahmens recht breit bauende Tank zwingt die Fahrerknie jedoch weit auseinander. Allerdings ist er durch den für die Fallstrom-Vergaser darunter montierten Luftfilterkasten innen viel kleiner, als seine imposante äußere Form vermuten läßt. Nur 15 Liter Normalbenzin einschließlich 3,5 Liter Reserve passen hinein. Das bedeutet, daß eine Tankfüllung bis zum Erreichen der Reserve je nach Fahrweise nur zwischen 150 und 250 Kilometer weit reicht. Der Benzinhahn ist links unter dem hinteren Tankausschnitt auch während der Fahrt gut zu erreichen.
Im alltäglichen Gebrauch macht die CB-1 eine gute Figur. Nicht nur, weil sie trotz der eng verlegten Vier-in-eins-Auspuff-anlage mit einem Hauptständer aufwartet, der die Kettenpflege erleichtert; unter dem Sozius-„Sitz" finden sich auch ein solider Griffbügel zum Aufbocken und Stifte zur Befestigung von Gepäckhaken oder -netzen. Der Tacho dieser japanischen Version ist zwar in Meilen geeicht, doch findet sich auf dem Zifferblatt auch eine kleinere Kilometerskala, so daß Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht zur Kopfrechenübung ausarten müssen.
Ebenfalls auf japanische Zulassungsvorschriften ist zurückzuführen, daß das Scheinwerferglas aus Kunststoff bei uns nicht zulassungsfähig ist, daß eine Lichthupe fehlt und daß das Abblendlicht brennt, sobald der Zündschlüssel herumgedreht wird. Man braucht aber trotzdem keine Angst zu haben, bei längeren Anlaßvorgängen die Batterie überzubeanspruchen. Erstens springt der durch den Choke am linken Lenkerstummel unterstützte Motor immer beim ersten Knopfdruck an, und zweitens wird der Stromfluß zur Beleuchtungsanlage unterbrochen, sobald der Starterknopf gedrückt wird.
„Die Honda CB-1 ist seit ihrem Erscheinen vor gut einem Jahr sehr schnell in die Gunst der Motorradfahrer gekommen. Und das, obwohl die größeren Schwestern in der Modellpalette dank ihrer Leistung bestimmt kein Mauerblümchendasein fristen. "
Die CB-1 gibt es in Japan seit 1988. Bei der Veröffentlichung der ersten Bilder in der Bundesrepublik war aber auch hier mehr als nur freundliches Interesse zu verzeichnen. Die aktuellen 600er, das ist inzwischen sicher, werden im nächsten Modelljahr durch die Bank mit Fahrleistungen der gegenwärtigen 750er- und 1000er-Superbikes aufwarten. Das bedeutet aber auch, daß sie ebenso hohe Unterhaltskosten aufweisen werden. Zwei der vier japanischen Hersteller haben dies erkannt und planen oder überlegen, ihr Angebot in der 50-PS-Klasse "mit 400er-Modellen auszuweiten. Der Dritte, Yamaha, läßt sich zur Zeit noch bitten. Man will abwarten. Eine europäisierte CB-1 aber wird es 1991 nicht geben. Honda in Offenbach hat sich definitiv gegen einen Import der CB-1 oder anderer 400er nach Deutschland entschieden. Deshalb ist das Engagement von Grauimporteuren, die solche interessanten Maschinen importieren, zu verstehen, selbst wenn diese Motorräder, wie die Test-CB-1, noch aus dem Baujahr 1988 stammen.
38 Grad herrschen jetzt im Büro, irgendwann ist die Schmerzgrenze für Mann und Maschine erreicht. Nach allem, was Peter Limmert anno 1976 über die CB 400 F schrieb, ist die CB-1 ein gleichwertiger Nachfolger, und das durchaus auf der Höhe ihrer Zeit. Schließlich gibt es augenscheinlich Dinge, die heute noch so sind wie 1976. Nicht nur das Wetter scheint sich gern zu wiederholen ...
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